SERK II

Die Bilder die ich im Juli vom SERK gemacht hatte haben inzwischen eine Runde gemacht. Ursprünglich waren sie für das chinesische “OUTDOOR” Magazin vorgesehen, die ein Fahrrad-Special herausgebracht haben. Lilis Freund ist dort Redakteur und Lili führte ein Interview mit Shanon und Liman, den beiden Besitzern. Die Bilder habe ich SERK dann zur Verwendung überlassen…

Neben Beijings Stadtmagazinen “City Weekend”, “Time Out” und “The Beijinger” ist ein Bild inzwischen sogar auf der Webseite des Wall Street Journals erschienen. Das dumme an der ganzen Sache ist nur, das nicht ein einziges Mal die credits richtig angegeben wurden.

SERK

SERK Post

Wall Street Journal

Time Out

BIKE vs. DOG

Sich vorausschauend im Verkehr zu bewegen ist wichtig. Vor allem in Beijing, wo der größte Teil der Bevölkerung keine grundsätzliche Verkehrserziehung genossen hat und die meisten Menschen Straßen überqueren ohne nach links und rechts zu schauen. Mit einiger Erfahrung kann man sich aber gut darauf einstellen. Man behält seine Umgebung im Auge und kann an kleinen Anzeichen erkennen, ob ein Fahrrad demnächst nach links ausschwenkt oder nicht, ob jemand gleich vom Fußweg auf den Radweg ausweicht und so weiter….

Freitagabend kam eine neue Lektion in Sachen Verkehr dazu. Eine Frau mit zwei Hunden auf dem Arm übersteigt den kleinen Zaun, der Hier gerne als Trennung zwischen Straße und Radweg aufgestellt wird. Ich komme mit geschätzten 30 km/h auf dem Rad an. Sie unterschätzt meine Geschwindigkeit, so daß ich klingle, um sie auf mich aufmerksam zu machen. Sie macht ein paar schnelle Schritte und ich fahre rechts an ihr vorbei, wobei sie in diesem Augenblick meine volle Aufmerksamkeit erfährt. In dem Augenblick, wo ich meinen Blick wieder nach vorne richte schießt ein dritter Hund von mittlerer Größe durch den Zaun. Keine Zeit für eine Reaktion. Fliegen. Judo zahlt sich aus. Mein Kopf hat den Boden nicht berührt…. Die rechte Körperhälfte dafür um so härter. Auch ist eine Judorolle mit dem Fahrrad zwischen den Beinen nicht ganz so einfach.

Wo ist der Köter hin? der Hat sich getrollt… Leckt irgendwo seine Wunden… Wo ist die Halterin hin? Die Frau mit den zwei Hunden auf dem Arm… Die hat sich auch ganz schnell vom Acker gemacht. Feige Ratte, die….       …..#*@:::  !

Es scheint alles so weit in Ordnung. Das Vorderrad ist noch rund und abgesehen von einer Abschürfung an Schulter und Ellenbogen scheint mir auch nichts zu fehlen. Also schwinge ich mich wieder auf mein Rad und fahre zügig nach Hause.

Nachdem der Adrenalin-Kick etwas abgeklungen ist macht sich neben der Schulter auch noch das Knie bemerkbar. Am nächsten Morgen ist es deutlich dicker als das andere…

Also beschließe ich den Morgen im Krankenhaus zu verbringen. Vorsprechen bei der Anmeldung, Konsultation mit einem Chirurgen. Röntgen, nachmittags ein MRI machen lassen. Gebrochen ist nichts, gut, da habe ich einiges an Erfahrung, das wußte ich auch vorher schon selber. Das endgültige Ergebnis kommt dann am Montag.

SERK

Vor einem Monat hat SERK aufgemacht. SERK ist ein kombinierter Rennradladen mit Café, Bar und Fahrrad-Lobby-Zentrale in unserer Strasse. Wie sollte es anders sein ist einer der Besitzer natuerlich Ex-Architekt. Der Laden ist schick, aber einfach. An den Details erkennt man sofort ambitioniertes Design. Die zwei grossen Glastueren sind mit einem Gegengewicht versehen um leichter beweglich zu sein, die Bar geht direkt bis auf den Terrassenbereich und ist ebenfalls mit einer Glasscheibe gegen winterkaelte zu schuetzten. Erin bewegliches Regal trennt die Bar vom Werstattbereich, aber das beste ist, dass die Raeder alle samt von der Decke haengen und ueber bewegliche Haken an einer Schiene erreichbar sind. Die Besitzer sind ein Australisch-Chinesisches Paar. Neben Rennraedern der High-End-Klasse und der Bar finden noch zahlreiche Aktivitaeten rund ums Fahrradfahren statt. Ausfluege in die Umgebung Beijings, Fahrradtouren mit Galeriefuehrungen, Beijing Bike Week und noch mehr.

SERK

Smarter than car

WAY TO WORK

Beijing galt frueher als die Stadt der Fahrradfahrer – heute ist Beijing eher die Stadt der Staus…. Ein Grund mehr, sich auf’s Fahrrad zu setzen!

Die Stadt ist dem klassischen Idealbild einer chinesischen Stadt folgend in einem nach Sueden ausgerichteten Raster angelegt. Fuer den Radweg zur Arbeit bieten sich daher zahlreiche Moeglichkeiten: links, rechts, links rechts, bis man da ist. Theoretisch komme ich mit einmal rechts abbiegen auch ans Ziel. Eine Zeit lang habe ich alle moeglichen Wege ausprobiert und einer hat sich als der schnellste und schoenste herauskristallisiert (auch wenn ich zugeben muss den Drum Tower und die Guloudongdajie abends wegen zu vielen Menschen auf der Strasse zu meiden). Der morgendliche Weg fuehrt durch das historische Zentrum, dessen wichtigste Staetten sich entlang der Nors-Sued-Achse aufreihen. Gleichzeitig sind diese Strassen relativ wenig von Autos befahren und ein Teil der Strecke ist von schattenspendenden Baeumen gesaeumt.

Gegenueber anderen Methoden ins Buero zu gelangen hat das Rad hier noch weitere Vorteile. Der Weg mit der U-Bahn nimmt inklusive Erreichen der Station und des Bueros in etwa vierzig bis fuenfundvierzig Minuten in Anspruch. Mit einem Auto oder Taxi wuerden man in der rush hour wohl stecken bleiben und daher in etwa genau so lange brauchen. Einen Bus vergessen wir mal, das dauerte dann noch laenger. Mit dem Fahrrad, habe ich die Strecke von etwa neun Kilometern schon einmal in neunzehn Minuten und dreissig Sekunden geschafft, die letzten Meter durch unseren Hutong nicht mitgerechnet (das wuerde jeden Schnitt ruinieren!).

NO BIKE – 没有自行车

Seit gestern bin ich wieder ohne Rad. Man kennt die Situation. Du kommst aus dem Buero, oder sonstwoher, und denkst:”ich hatte mein Rad doch hier abgestellt?” Man guckt noch eine Weile rum und fragt sich immer wieder ob das richtig ist, bis die gewissheit kommt, das Rad ist weg.

Eigentlich handelt es sich um einen bewachten Fahrradabstellplatz…. Das einzige was das Wachpersonal anbieten konnte war sich die Aufnahmen der Ueberwachungskameras anzusehen.

Gesucht wird jetzt ein leicht uebergewichtiger Mann in blauem T-Shirt, vermutlich Brillentraeger. Das trifft in Beijing wohl auf etwa 2.485.374 Menschen zu, aber mehr war den Bildern dann auch nicht zu entlocken…

Nicht ungeschickt war die Auswahl des Zeitpunktes. Um 10:09:35 Uhr ist er davongeradelt. Die Meisten Leute sind dann im Buero, das Kaufhaus hatte gerade geoeffnet und die grade hereingestuermte Kundschaft wuerde wohl eine Weile drinnen bleiben.

Die Polizei einzuschalten ist hier wohl genauso sinnvoll, wie es in Berlin waere…. jaja, wir kuemmern uns darum!

Mist! Ausgerechnet jetzt sind die Temperaturen so angenehm, dass man eigentlich jeden Tag mit dem Rad fahren moechte…