COUNTRYSIDE – 农家乐

Das waren noch Zeiten, als man noch vernünftig laufen konnte…. Ist nun auch schon drei Wochen her, das wir so richtig aus Beijing herausgekommen sind, und da waren wir in den Bergen westlich von Beijing und haben mehrere Dörfer in der Nähe der Mauer besucht. Beide Dörfer verfügen über eine eigene Ringmauer, die unabhängig von der “richtigen” Mauer die Siedlungen umgibt. Hier gibt es noch viele originale Häuser, von denen allerdings auch viele dem Verfall preisgegeben sind.

SNOWBOARDING IN HUAIBEI – 在怀北滑雪单板

In den Ferien war endlich mal wieder die Gelegenheit Snowboard zu fahren. Das dritte Skigebiet bei Beijing, das ich nun kennengelernt habe heisst Huaibei und liegt noerdlich von Beijing. Das schoene ist hier, das man einen Blick auf die Grosse Mauer hat. Ansonsten hat das Gebiet leider nicht so viel zu bieten. Wie die meisten Skigebiete in der Naehe von Beijing ist es dominiert von blauen Pisten, die noch flacher sind als jene in Oesterreich zum Beispiel. Auch die Laenge der Strecken erinnert eher an den Harz. Kunstschnee ist hier leider ein Muss, denn der Winter in Beijing ist zwar kalt, aber extrem trocken. Seit die Temperaturen tagsueber unter dem Gefrierpunkt gefallen sind kann ich mich nur an etwa drei Schneeflocken erinnern…

GUBEIKOU GREAT WALL – 古北口长城

Letztes Wochenende haben wir einen weiteren Abschnitt der Chinesischen Mauer bei Beijing erkundet. Rund um das Dorf Gubeikou Zhen befinden sich vier verschiedene Abschnitte der Mauer. Da wir uns in einer groesseren Gruppe mit nicht wandererfahrenen Leuten befanden haben wir uns nur auf eine kleine Runde noerdlich des Dorfes beschraenkt.

Die Mauern in Gubeikou sind im allgemeinen nur noch als Ruinen existent. Touristen trifft man eigentlich (fast) keine. Besonders spektakulaer ist der Teil der Gubeikou Mauer, der sich westlich des Chai He Flusses ueber steilen Klippen erstreckt (den wir allerdings nicht erwandert haben).

Uebernachtet haben wir in der Chinese Box Great Wall Hostel. Eine ausgezeichnete kleines Hostel, die ueber zwei Sechserzimmer und zwei Doppelzimmer verfuegt. Die Ausstattung ist hervorragend – die Doppelzimmer regelrecht luxurioes (beheizbare Toilettensitze inklusive) – und das Personal ist herzlich und entgegenkommend. Chinese Box verfuegt auch ueber eine weitere Herberge im Zentrum der Stadt. Das Essen ist einfach aber lecker und fast alles stammt aus eigenem Anbau vom Feld hinter dem Haus. Der Hof verfuegt ausserdem ueber einen eigenen Brunnen, der trinkbares Wasser liefert (wegen des Miyun Reservoirs gibt es in dieser Gegend keine Fabriken).

Great Wall Box Hostel

Wikipedia

JIANKOU 箭口

Der interessanteste Teil der Grossen Mauer, der mir bisher untergekommen ist, ist wohl der von Jiankou. Ich wuerde diesen Teil allerdings auch als den gefaehrlichsten bezeichnen. Jedes Mal wenn ich dort hingefahren bin erzaehlt uns der Fahrer Geschichten von Leuten, die abgestuertzt und zu Tode gekommen waren, aber hier laesst sich die “wilde Mauer” mit am besten erleben.

Das kleine Dorf Jiushuikeng ist auf drei Seiten von der Mauer umgeben und der ideale Startpunkt fuer eine Mauerwanderung. Wir fogten zunaechst dem breitesten Pfad in die umliegenden Felder. Nach etwa einer Dreiviertelstunde steil bergauf ueber schulterbreite Pfade erreicht man einen eingestuertzten Teil der Mauer – und nur dort ist es Moeglich die Mauerkrone zu erklimmen. Zunaechst die Frage ob links oder rechts lang. Wir haben uns fuer links entschieden. Nachdem wir den ersten Turm passiert hatten befanden wir uns auch sogleich vor einem Abgrund, der etwa acht Meter fast senkrecht in die Tiefe fuehrte. Wir hielten diese Stelle zunaechst fuer unpassierbar. Ein Austausch mit einer anderen kleinen Gruppe, die inzwischen auch hier eintraf und bereits ein laengeres Stueck der Mauer hinter sich gebracht hatte ergab dass der Weg in die andere Richtung mit noch krasseren Hindernissen versehen war. also blieb hier nur der schwindelerregende Weg nach unten, wenn die Wanderund nicht schon nach 200 Metern vorbei sein sollte. Zaehne zusammenbeissen und nicht nach unten sehen….

Als ich unten ankam zitterten meine Knie. Ich dachte wenn ich das hier ueberwunden hatte konnte eigentlich nicht mehr viel passieren. Es sollte anders kommen.  Nach weiteren 200 Metern erreichten wir einen weiteren Turm. Die Bruestung war weg und ueber einen Stapel lose aufgeschichteter Ziegelsteine musste man auf einen Felsen klettern, der einen Meter neben einemm senkrecht abfiel. Dies war die zweite Pruefung und die dritte kam dann auch sofort im Anschluss. Jetzt standen wir am oberen Ende der Himmelsleiter, die ich sofort in Stairway to Hell umtaufte: Eine langgezogene Treppe ohne Podeste mit einer Steigung von teilweise ueber einhundert Prozent! Bei einer anderen Gelegenheit erklomm ich die Himmelsleiter von unten. Etwa auf halbem Weg loeste sich ploetzlich eine Wasserflasche von meinem Rucksack und polterte die Stufen hinab, bis sie am unteren Ende endlich zum liegen kam. Sofort schleicht sich der Gedanke ein, wie man selber von Stufe zu Stufe, immer schneller werdend abstuertzt. Man denkt kurz an die Geschichten unseres Fahrers. Schnell verdraengen…. Weitergehenweitergehenweitergehen-weitergehenweitergehenweitergehenweitergehenweitergehenweitergehenweitergehen war von dort an der einzige Gedanke, den ich zugelassen hatte. Das man oben angekommen dann auch wieder den losen Ziegelhaufen mit dem Abgrund ueberwinden musste machte die Sache nicht grade besser.

Ueber weite Strecken war die Mauer danach sehr angenehm zu erwandern. Ein Auf und Ab, mal sanfter, mal steiler, viele Gebuesche und so weiter, hin und wieder ein kleines Kletterstueck. Wir erklaerten das Tagespensum fuer erreicht und stiegen in das Dorf hinab, um die Nacht zu verbringen und am naechten Tag die Wanderung an der gleichen Stelle wieder aufzunehmen.

Als wir wieder aufstiegen am naechsten Tag merkten wir jeden Schritt, den wir am Vortag getan hatten in den Waden und Oberschenkeln. Die Mauer ging so sanft weiter wie wir sie verlassen hatten. Schiesslich dann die letzte Herrausforderung. Die Mauer bestand hier nur aus einer Bruestung auf der linken Seite, die Laufflaeche – etwa sechzig Zentimeter breit -  war ein Fels, rechts wieder ein Abgrund – geschaetzte dreissig Meter senkrecht… Nach einem Schritt versagten mir die Beine den Dienst und ich musste umkehren. Wir waren schon einige Stunden unterwegs gewesen und so beschlossen wir wieder abzusteigen und nach Beijing zurueckzukehren.

Am darauffolgenden Tag waren unsere Beine so lahm, das es mir schwer fiel einen Buergesteig zu erklimmen, geschweige denn die acht Stufen zwischen dem Aufzug und unserer Wohnung zu ueberwinden. Ich wuerde sofort wieder hinfahren!

MUTIANYU 慕田峪

Das hier war schon 2008, aber wo ich schon mal bei dem Thema bin ergaeze ich doch gleich noch einen weiteren Mauerabschnitt…

Suedwestlich von Jinshanling und Simatei und angrenzend an die Mauer von Jiankou befindet sich im Bezirk Huairou der Mauerabschnitt von Mutianyu. Dieser ist touristisch gut erschlossen und wie die meisten bekannten Mauerabschnitte um Beijing zumindest im Anfangsbereich saniert. Eine Seilbahn faehrt die lauffaulen hinauf, obwohl der Aufstieg hier nur etwa 20 Minuten dauert.Wer den Mauerbesuch ernst nimmt, kann aber auch hier diesen Teil ueberwinden und zur “wilden Mauer” gelangen. Am hoechsten Punkt grenzt die Mauer an den Abschnitt von Jiankou, den ich bisher als den interessantesten (und gefaehrlichsten) erlebt hatte. Mutianyu ist aber eine gute Wahl, wenn man nicht unbedingt  riskante Kletterparien in seine Tour einbinden will.

Flaches Zwischenstueck

VON JINSHANLING NACH SIMATEI 金山岭 – 司马台

Dies begab sich auch schon im September. Jetzt waere es mir auch ein wenig zu ungemuetlich auf der Mauer herumzulaufen, zumindest, solange dort kein Schnee liegt. Fuer die Mauer in weiss waere ich ja glatt bereit frierend ein paar Stunden mich dem Wind auszusetzten, der dort zu dieser Jahreszeit schaetzungsweise weht. Wie dem auch sei, im September war es jedenfalls sehr angenehm warm, wenn nicht sogar heiss.

Der Mauerabschnitt von Simatei ist eigentlich derzeit fuer Touristen gesperrt, denn dort findet grade eine Sanierung statt. Badaling beispielsweise wurde ja zutodesaniert, ich denke Simatei wird aber auch nach der Sanierung noch interessant sein, wegen der bei weitem spektakulaereren Lage der Mauer in diesem Abschnitt (was zumindest fuer den oestlichen Teil gilt).

Von Huairou kommend sind wir mit einem Fahrer nach Jinshanling gefahren und auch dieser erwaehnte die gesperrte Strecke. Wir haben uns von dem Gerede ueber gesperrte Mauern aber nicht aufhalten lassen und dennoch beschlossen von Jinshaling kommend Simatei als Ziel anzupeilen. Wir passierten nach einigen Stunden auch die Grenze zwischen den Abschnitten und von einer Spreeung war zunaechst nichts zu sehen. Von hier an ging es dann auch wieder bergab.

Ich schaetze, es war so zwei Kilometer spaeter, als wir an einem der Tuerme im Schatten eine wartende Gestalt entdeckten, beim naeherkommen entpuppte er sich als Wachmann, der die Sperre des weiteren Weges repraesentierte. Alles wieder zurueck? Niemals! Unseren Fahrer hatten wir bereits informiert, wir seien bereits auf dem Abschnitt von Simatei und von einer Sperre haetten wir nichts gesehen, was ihn etwas verwunderte. Als wir dann tatsaechlich aufgehalten wurden, war er schon auf Schleichwegen, die nur ein Ortskundiger kennt, vorbei an Strassenposten, zum Treffpunkt gelangt.

Wie ueberzeugt man nun den Wachmann uns trotz verbot duchzulassen? Wir sagten unser Fahrer sei schon dort. Der Wachmann: Unmoeglich! Eine Viertelstunde lang haben wir ihm die Ohren vollgejammert. Wir koennen  unmoeglich zurueckgehen, wir seien total erschoepft, haetten kein Wasser mehr und so weiter, LinNan hatte beinahe angefangen zu weinen – eine schauspielerische Meisterleistung! Bis der Fahrer endlich wieder aus seinem Funkloch auftauchte und wir ihn anrufen konnten, um dem Wachmann zu bestaetigen, er sei tatsaechlich schon dort. Nebenbei erwaehnte unser Fahrer noch, er sei per Du mit seinem Chef. Nach dem Telefonat vergewisserte sich der Wachmann noch, dass uns keine weiteren Touristen folgen wuerden, was wir verneinten und beschloss dann Feieraben zu machen und uns auf dem Weg nach unten zu begleiten.

Wir mussten uns gegenseitig ermahnen, nicht zu froehlich auszusehen, denn schliesslich waren wir alle “zu erschoepft” um den ganzen Weg zurueckzugenen, trotzdem  grinsten wir  alle von einem Orh zum anderen….

Im Tal angekommen hatten wir dann aber wirklich genug vom Laufen. Nebst unserem Fahrer wurden wir vom Besitzer eines nahegelegenen Restaurants empfangen, der nicht ungehalten war ueber unser Verhalten, denn die Sperrung war nicht grade gut fuer sein Geschaeft. Und wir hatten einen gewaltigen Hunger mitgebracht!

Der Fahrer bekam einhundert Yuan extra fuer seine Muehen und alle waren zufrieden. Zurueck in Beijing rundeten wir den Tag mit einer Massage ab.

Let’s call it a day!